Was Erotik im Mittelalter tatsächlich für einen Stellenwert hatte, ist schwer zu sagen, denn aus den überlieferten Quellen entsteht ein sehr gemischtes Bild. Nur eins ist klar: die Kirche, die die moralischen Kriterien festlegte, stufte jede Art von Sinnenfreude als Sünde ein. Doch bei Hofe war man nicht unbedingt erpicht darauf, wirklich jeder Sünde aus dem Wege zu gehen. Man musste seine Gelüste ja nicht so offen ausleben. Und wenn man sich mit den nackten Tatsachen unter dem Deckmantel der religiösen Pflichterfüllung beschäftigen konnte, war das natürlich eine sehr elegante Lösung. Die sogenannten "Stundenbücher" boten die beste Gelegenheit dafür. Die reich verzierten Miniaturbüchlein enthielten Darstellungen von religiösen Szenen und sollten Stoff fürs Gebet liefern. Möglicherweise galt die Andacht manches betenden Herren tatsächlich dem Wunderwerk Gottes. Doch in manchen Fällen betraf sie wohl ganz besonders die abgebildeten Damen der Schöpfung. Diese waren zwar meist heilig und durch und durch keusch, aber nicht selten eben auch - nackt! Eine von ihnen können wir hier bewundern: Sie stammt vom "Meister des Flavius Josephus". Es handelt sich um Bathseba, auf die König David - gewissermaßen aus dem Hinterhalt - seine begehrlichen Blicke richtet. Wie Rembrandt das Thema "Bethseba im Bade" malerisch umgesetzt hat, sehen Sie, wenn Sie weiter in unserer Rubrik "Badeszenen in der Kunst" blättern.
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