Fritz Graßhoff ist mit seiner "Halunkenpostille", mit Balladen aus dem Seemanns- und Hurenmilieu, mit Songs und mit Moritaten in die deutsche Literaturgeschichte eingegangen. Seine Gedichte sind anzusiedeln zwischen Brecht und Ringelnatz, oft derb, oft unerbittlich, aber auch melancholisch und humorvoll. Seine Gedichtbände erzielten recht hohe Auflagen. Unsere Userin Lisa Pott hat uns die Ballade vom Bad des Bäckers und seiner Frau eingereicht, entnommen dem DTV-Taschenbuch Nr. 150 "Die große Halunkenpostille".
Das Verhältnis der Bäckerin oder: Vom Grundriß der Brötchen
Am Sonnabendabend ist Baden
beim Bäcker in Hettendorf.
Dampft der Badezuber im Backhaus,
kommt Sappke mit seinem Torf.
Der Bäcker kann flehn und fluchen,
Sappke erklärt hinterher,
er könne bloß Sonnabendabend,
sonst käme er eben nicht mehr.
Unter dem Backstubenfenster
hält er mit dem Gespann,
dann klettert er auf die Ladung
und fängt zu schaufeln an.
Drin werden die Kinder gerumpelt.
Bald steigt die Bäckerin ein,
und wenn die Bäckerin badet,
läßt Sappke das Schaufeln sein.
Verschwindet die Frau in der Stube,
und zieht sich der Bäcker aus,
bringt Sappke ihr schnell die Rechnung
und bleibt eine Weile im Haus.
Verlangt der Meister sein Nachthemd,
weiß Sappke, der sich verdrückt,
warum dem Bäcker der Grundriß
der Brötchen immer so glückt.