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Bad-Geschichte und Geschichten

Der goldene Toilettentisch der Dubarry

Über Ludwig XV. von Frankreich weiß die Geschichte eigentlich nur zu berichten, daß er ein entschlußloser Lebemann war, der Zerstreuung hauptsächlich in zahllosen Amouren suchte. Zu 80 "Bastarden", also unehelichen "Königskindern", hat er sich bekannt. Seine Gespielinnen ließ er sich von seinen Höflingen aussuchen, wobei es sich viele Bürger- und Adelstöchter dem Zeitgeist entsprechend als hohe Ehre anrechneten, dero Majestät zu Diensten zu sein. Zwei seiner Mätressen sind in die Geschichte eingangen:

Die Pompadour, die immerhin Esprit hatte und als gebildet galt, und die Dubarry, die nicht die (sonderlich hohen) geistigen, sondern ausschließlich die sexuellen Gelüste des alternden Königs zu stillen vermochte. Was immer man Ludwig nachsagen mag - knauserig war er nicht. Daß sein Land darniederlag und das Volk verarmt war, nahm er dabei war nicht wahr und bereitete so den Boden der französischen Revolution vor.

Jedenfalls konnten seine "kurzfristigen" Gespielinnen damit rechnen, mit hohen Geldgeschenken verabschiedet zu werden, um mit dieser Mitgift dann die hochgeachtete Ehefrau eines kleineren Adeligen oder Unterpräfekten zu werden. Bis zum Tode Ludwigs XV. beherrschte "die Dubarry", eine zielstrebige Kokotte aus der Provinz, den Hof in Versailles. Als offizielle Mätresse des Königs, die durch eine von ihren Gönnern arrangierte Heirat mit einem Grafen Dubarry zur Adeligen aufgestiegen war, schwelgte sie in Pracht und Überfluß.

Gesandte und Minister wurden von ihr in Audienz empfangen. Für den alten, verweichlichten König war sie nicht nur Mätresse, sondern auch die Vertrauensperson, die dem König "junges Blut" zuführte - in der richtigen Erkenntnis, daß der Monarch nach einiger Zeit wieder zu ihr zurückkehren werde. Die Dubarry hatte zunächst am intrigenverseuchten Hof viele Gegner, die hartnäckigsten waren der Dauphin (und spätere Ludwig XVI.) und seine Ehefrau Marie Antoinette, eine Tochter der österreichischen Kaiserin Maria Theresia.

Um die Dubarry zu trösten, weil sie vom Thronfolger mißachtet worden war, machte ihr Ludwig XV. eines Tages einen goldenen Toilettentisch mit vergoldeter Waschschüssel zum Geschenk. "Ich habe in meinem ganzen Leben nie wieder so etwas Kostbares und Elegantes gesehen", schrieb die Mätresse in ihren Lebenserinnerungen. Ihre damaligen königlichen Widersacher wurden während der französischen Revolution mit dem Fallbeil hingerichtet.

Der Dubarry erging es nicht besser. Sie versuchte, sich durch Preisgabe der Verstecke ihres sagenhaften Schmuckes freizukaufen - vergeblich. Nach Augenzeugenberichten verhielt sie sich beim Gang zur Guillotine keineswegs "gräflich" und schon gar nicht königlich, sondern wie eine Rasende. Über den Verbleib des Waschtisches ist der Traumbad-Redaktion nichts bekannt.
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