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Bad-Geschichte und Geschichten

Als die Toilette-Garnitur auf dem Toilette-Tisch stand



Die Gegenstände, die Sie hier sehen, werden Ihnen möglicherweise bekannt vorkommen. Standen Sie nicht auf dem Toilette-Tisch der Großmutter? Damit liegen Sie richtig. Die sog. Toilette-Garnituren befanden sich in den 20-er und 30-er Jahren auf den Spiegelkommoden vieler Schlafzimmer. Es gab sie aus Preßglas für die eher kleinbürgerlichen Haushalte und aus Kristallglas für die gehobenen Stände. Aus dem Flakon mit dem Gummiballen (rechts) wurde Parfüm zerstäubt, die Dose links enthielt Puder, das Fläschchen mit dem Glasstöpsel war mit Kölnisch Wasser gefüllt. Was heute von den Damen weitgehend im Bad zelebriert wird, nämlich das Anlegen eines Make ups, fand zu unserer Großmütter Zeiten im Schlafzimmer statt. Badezimmer waren damals sehr ungemütliche, meistens sogar unbeheizte Räume, in denen man sich nicht unnötig lange aufhielt. Aus der Einlocharmatur floß zwar Wasser - aber nur kaltes. Für den Herrn des Hauses wurde, damit die Rasur gelingt, heißes Wasser im "Flötenkessel" aus der Küche ins Bad gebracht, die Dame des Hauses benutzte für die übliche Etagenwäsche dieselbe Wärmequelle. Einmal in der Woche war Badetag, dann wurden 50 l Wasser in einem Ungetüm von Wasserboiler per Briketts, Kohle oder Gas erhitzt - das mußte dann reichen (manchmal für die ganze Familie einer nach dem anderen). Kein Wunder, daß es dann die Dame des Hauses vorzog, sich im Schlafzimmer vor dem Toilette-Tisch zu verschönern. Ist Ihnen noch etwas aufgefallen? Richtig, die rosarote Kordel, mit der der Gummischlauch bezogen ist und dann die rosarote Quaste. Ohne Quaste war eine solche Garnitur keine Garnitur. Ungeklärt ist, ob die Quasten, die dazumal an den Ausgeh-Uniformen der "Portepee"-Träger zu baumeln pflegten, Pate gestanden haben.

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