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Das Bad in der Literatur

Er kann nur, wenn sie vorher geduscht hat

"Mit 50 küssen Männer anders" heißt ein Roman von Dorit Zinn aus dem Fischer-Verlag, in dem es um eine Beziehungskrise in der Lebensmitte geht. Ehefrau Marie-Luise bricht aus ihrer Ehe aus und fährt mit dem HNO-Arzt Eugen ins Wochenende. Dieser Hals-Nasen-Ohrenarzt hat ihr im übrigen den Kosenamen "Hörstürzchen" verpaßt. Nun lesen sie bitte, was sich im Hotelzimmer abspielt. Eingereicht hat uns diese Textpassage unser User Uwe Kröner:

Eugen kam ohne lange weiße Unterhosen aus dem Bad. Sehr sportlich und sehr elastisch stand er vor dem Bett, streckte sich ausgiebig, die Gelenke knackten und knirschten, schadenfroh dachte ich: seinem Alter entsprechend.
Er schob den Überwurf zur Seite und kroch unter die Bettdecke. "Das Bad ist frei. Du kannst jetzt duschen."
Er verlangt vorher ein Abduschen? Empört starrte ich ihn an. "Nein", sagte ich, "einmal am Tag reicht."
Eugen kroch tiefer unter die Decke. "Wenn du nicht duschst, kann ich nicht." Lange Pause. "Marie-Luise", sagte er, und nicht Hörstürzchen, "Marie-Luise, es tut mir sehr leid, aber Du erinnerst mich an meine Frau, ich meine: Partnerin. Weißt du, siebzehn Jahre ist eine lange Zeit. Sie hat vorher immer geduscht."
"Ich tue es nicht!" Mein Schulterfreies fiel, der Slip, ich stieg in den gestreiften Baumwollschlafanzug.
Er kann also nicht.
Eigentlich ganz bequem und sympathisch. Das werden zwei sorgen- und schuldfreie Tage...
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