Hermann Göring war der zweitmächtigste Mann im 3. Reich - jedenfalls bis in die ersten beiden Kriegsjahre. Als Jagdflieger im 1. Weltkrieg hoch dekoriert, machte er in der NSDAP schnell Karriere. Er wurde Preußischer Innenminister und 1935 Oberbefehlshaber der Luftwaffe. Dem "Reichsforstmeister" (1933) und "Reichsjägermeister" (1934) folgte 1941 der Titel Reichsmarschall. Göring war eitel bis zur Lächerlichkeit, trug zahllose Fantasieuniformen und lederne Wämse, ließ sich einen edelsteinverzierten Marschallstab fertigen ...und fuhr selbst in den schwersten Kriegsjahren, als die Soldaten in Stalingrad mit 100 g Brot für 24 Stunden (!) auskommen mußten (und tausendfach vor Schwäche und Frost umkamen) in einem gepanzerten Luxus-Sonderzug durch die Lande. Lesen Sie, was sein Fotograf Eitel Lange dazu aufgezeichnet hat:
"Es waren stets zwei Sonderzüge, in denen Göring unterwegs war...Im ersten Wagen (des Hauptzugs, die Red.) befand sich die fürstliche Garderobe, die unzähligen Uniformen, die Zivilanzüge, die berühmten Lederwämse, an denen er einen Narren gefressen hatte, die Morgenröcke aus Seide und Brokat. Auch wurden hier die Degen aufbewahrt, die Schulterstücke und die Orden. Auch das Badezimmer enthielt dieser Wagen. Er war weiß gekachelt, daneben lag die Toilette. Wenn der Monarch dieses üppigen Zuges sich morgens zum Bad und anschließenden Frühstück anschickte, mußte der Zug solange stehenbleiben, bis beides erledigt war. Der Eiserne liebte es nicht, wenn das Wasser in der Wanne schwappte. So blockierten wir sehr oft ganze Strecken....Es spielte nicht die geringste Rolle, ob durch das Bad und das Frühstück des Herrn Reichsmarschall hinter uns Transportzüge, Lazarettzüge und später Flüchtlingszüge für lange Stunden liegenblieben....Die Fahrpläne....wurden so verwirrt, daß es einige Tage brauchte, wieder Ordnung zu schaffen....Ich sprach einige Male mit übernächtigten, erschöpften und verzweifelten Bahnhofvorstehern..."Der ganze Fahrplan ist dahin", sagten sie. "Das macht nichts. Wir werden es wieder hinkriegen. Hermann muß arbeiten können." Mehr als einmal war ich nahe daran, diesen braven Leuten zu sagen: "Arbeiten? Er saß in der Badewanne mit Badesalzen und Parfümen, und nachher frühstückte er." | |