Naturschwämme werden seit alters her von Tauchern vom Meeresgrund heraufgeholt, von der Miniaturausgabe
bis zur Größe eines Fußballs. Die vielzelligen, vielporigen Meerestiere, aus deren elastisch weichem, saugfähigem
Skelett der Badeschwamm gewonnen wird, werden direkt, nachdem sie aus dem Meer geholt wurden, an den Fischereiplätzen
im östlichen Mittelmeer bearbeitet. Das heißt, daß sofort die schwarzen Weichkörper (Milch genannt) vom Skelett entfernt
werden. Danach erfolgt die Reinigung, Zuschneidung und Bleichung der Schwämme.
In Adjim, dem wichtigsten Hafen der Insel Djerba, können Touristen die Naturschwämme direkt von den Schwammtauchern kaufen.
Jedes Jahr im Juli findet in dem 2500-Seelen-Dorf sogar ein Schwammfest statt. Auch in Griechenland hat das Schwammtauchen
eine lange Tradition. Die Verwendung von Naturschwämmen wurde schon von Aristoteles beschrieben, bei Homer, in der Illias
und in der Odyssee erwähnt. Über Jahrhunderte konzentrierte sich die Schwammtaucherei jedoch auf die Inselgruppe des Dodekanes,
hauptsächlich im Bereich der Insel Kalymnos.
Das Finden, die "Ernte"vom Meeresgrund und der Verkauf auf der ganzen Welt ermöglichten über Jahrhunderte
hinweg die wirtschaftliche Existenz der Insel. Es wunderte niemand, daß die Schwämme das "Kalymnische Gold"
genannt wurden. Das Tauchen nach den Schwämmen stellte darüber hinaus noch mehr als das zuvor Beschriebene dar:
Es war ein Handwerk, eine Herausforderung, eine Geschichte des Gewinnens und Verlierens.
Heute ist auf Kalymnos auch die einzige Schwammfischerflotte Griechenlands zu Hause. Doch während
die Schwammfischer früher noch in griechischen Gewässern ihre Fänge einholten, müssen sie heute wegen der hohen
Wasserverschmutzung bis zur nordafrikanischen Küste fahren, um ihre Netze zu füllen. Daß der Naturstoff rar geworden ist,
vermag man beim Anblick der Schwammmassen, die die Fischer nach ihrer Rückkehr zum Trocknen in der Hafenbucht ausbreiten,
kaum glauben.
Nachdem eine Schwammkrankheit und die Herstellung billiger künstlicher Schwämme seit den 40er
Jahren zum Niedergang der Tauchkolonie führten, erlebt die Schwammindustrie zur Zeit ein Revival,
da sich die Schwammbänke erholt haben und durch das hohe Natur- und Qualitätsbewußtsein die robusten
Naturschwämme wieder sehr gefragt sind.
Der Schwamm gelangte schon im 18. Jahrhundert nach Deutschland. Man wusch sich mit einem Schwamm
(oder tupfte sich damit ab). Das war so Sitte, und selbst Goethe kannte es nicht anders. Mit dem
wachsenden Hygienebewusstsein übernahm der Schwamm die Funktion einer Dusche. Man stieg in eine
breite, große Zinkschale, unseren heutigen Duschtassen nicht unähnlich, tauchte den Schwamm in das
warme oder heiße Wasser, das in einem Bottich daneben stand – und drückte den nassen Schwamm
über seinem Körper aus. Und die "Mamsells", wie man die Dienerinnen damals nannte, hatten dann das
Schmutzwasser zu entsorgen, üblicherweise mit Schwung aus dem Fenster in den Hof.
Heute sind Schwämme Standard-Mitbringsel aus Griechenland, Zypern und Nordafrika. Sie hängen allenthalben und in
allen Größen in den Souvenirshops und warten darauf, dass feine Damen mit ihnen über den Busen,
den Bauch oder die Oberschenkel fahren (Foto:
www.fotografen-online.de).