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Das Bad in der Literatur

Philosophin geworden, weil das Badewasser zu langsam fließt

Marion Preminger war die Ehefrau des berühmten Hollywood-Regisseurs Otto Preminger. Ihre Memoiren "Alles was ich will - ist alles" sind in jenen Kapiteln lesenswert, in denen sie über ihr Leben in einem sehr wohlhabenden Elternhaus in einer ungarischen Kleinstadt vor dem 1. Weltkrieg erzählt. Nach dem Krieg fiel jener Zipfel Ungarns an Polen und der soziale Abstieg der Familie begann. Marion, nur erzogen, um einen Mann aus gutem Hause zu heiraten, ging nach Wien und wurde Schauspielerin. Dort lernte sie auch ihren Mann kennen. Später in den USA machte Marion Preminger nur als Gesellschaftsdame von sich reden, die wegen ihrer aufregenden Garderobe die Titelseiten der Frauenmagazine zierte. Als amerikanische Besonderheit fiel ihr als erstes auf, dass überall und zu jeder Zeit heißes Wasser aus den Wasserhähnen lief. Die folgende Passage hat uns unser User Lothar Böcker eingereicht:

Später sagte ich zu John Joseph von den Hilton Hotels, daß ich niemals zu philosophieren begonnen hätte, wenn es im Europa, in dem ich aufgewachsen bin, solche Hotels gegeben hätte.

"Sie und eine Philosophin?", fragte er lachend. "Wie ist denn das passiert?"

"Weil das heiße Wasser im Nachkriegs-Wien so langsam geflossen ist", sagte ich ihm. Und das stimmte. "Man mußte eine geschlagene Stunde warten, bis eine Badewanne endlich vollgelaufen war. Und wenn man jeden Tag eine ganze Stunde wartet, beginnt man, über das Leben nachzudenken. Auf diese Art wurde ich Philosophin."
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