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Bad-Geschichte und Geschichten

Kurfürst Max II. und der Badespaß in der Badenburg

Der Herr, dessen ovales Gesicht von einer irrsinnig-langen Perücke umrahmt wird, ist - man mag es kaum glauben - ein richtiger Badefreak gewesen. Er lebte von 1662 bis 1726, also in einer Zeit, als man eher zu Puder und Duftwässern griff, als sich zu baden. Und so badete der bayerische Kurfürst Maximilian II. Emanuel, so sein vollständiger Name, auch nicht der körperlichen Hygiene wegen, sondern wegen der Lustbarkeit. Man ahnt es schon: Er badete nicht allein! Sechzehn Gespielinnen leisteten ihm in der "Badenburg" gesellschaft, die er eigens zu diesem Zweck im Nymphenburger Schlosspark zu München von keinem geringeren als dem berühmten Baumeister Joseph Effner zwischen 1716 und 1728 errichten ließ.

Kurfürst Max war ein außerordentlich vielseitiger Landesherr. Daß wir heute keine türkische Teilrepublik sind, verdanken wir auch diesem Max. Jedenfalls beteiligte er sich mit seinem bayerischen Heer erfolgreich an den Türkenkriegen, half dem Kaiser 1683 bei der Entsetzung Wiens und erobert 1688 das von den Türken besetzte Belgrad. Ganz nebenbei war er zweimal verheiratet und hatte zwei offizielle Mätressen, von den inoffiziellen ganz zu schweigen. Er zeugte fleissig Kinder, von denen eines als Karl VII. nicht nur sein Nachfolger, sondern auch deutscher Kaiser wurde. Das war zu jener Zeit aber nicht mehr als eine Art Ehrentitel. Bemerkenswerter noch sein Sohn Clemens August, der Kurfürst und Erzbischof von Köln wurde und u.a. das prächtige Schloß zu Brühl baute, wo in den Bonner Jahren unserer Republik ab und zu Staatsempfänge gegeben wurden.

Die Badenburg Das Becken mit der Sitzbank

Doch zurück zu unserem Max, der im Nymphenburger Park neben der Badenburg auch noch eine Magdalenenklause erbauen ließ - geweiht der Büßerin Magdalena. Hier die Badenburg mit dem beheizbaren, verfliesten Becken, in dem sich seine sechzehn Gespielinnen tummelten und mit deren Porträts sowie erotischen Malereien die Badenburg geschmückt war. Und dort die Kapelle, in der man nach sündigem Spiel aufrichtig Buße tun konnte. Hier der Badespaß, bei dem bei sanfter Musik die Damen mit dem Herrn Kurfürsten herumplätscherten, wobei dieser die Perücke erstaunlicherweise abnahm. Dort die fromme Orgelmusik, vom musikalischen Landesherrn höchstpersönlich zur Freude Gottes vorgeführt.

Der Festsaal in der Badenburg Die Galerie rund um das Becken

Um das Badebecken hatte der Herrscher eine Galerie anlegen lassen. Man darf annehmen, daß er ausgewählten Besuchern zumindest einen Blick von der Galerie auf die sechzehn Grazien gönnte. Möglicherweise hat er sich auch, wenn ihm das Wasser zu kühl wurde, auf die Galerie zurückgezogen und seinen Damen noch eine Weile bei den Wasserspielen zugeschaut. Wie uns Gerhard Hermann Mostar in seiner "Weltgeschichte höchst privat" auf das Ergötzlichste mitzuteilen weiß, hatte Max II. eine recht unverkrampfte Einstellung zu seinen Liebschaften: "Diese meine Untreuen lasse ich mir nicht verwehren, weder von Gott noch den Menschen", wobei er für sich ins Felde führte, daß er dergleichen nur ganz heimlich tue, nämlich "fein säuberlich unter der Hand". Die Zitate stammen aus einem Brief an seine Gemahlin, die auch kein Kind von Traurigkeit war, zu des Landesherrn Verdruss keinen gesteigerten Wert auf Heimlichkeit legte und mit ihrem Beichtvater aus München nach Venedig retirierte, wo die hohe Frau mit Pater Dorotheus Schmacke sündigen und zweckmässigerweise bei eben demselben ihre Sünden beichten konnte.

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