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Wie hat man es zu Lebzeiten des legendären Frauenverführers Giacomo Casanova mit der Reinlichkeit gehalten? Nun, natürlich wurden auch Vollbäder genommen, aber nur sehr selten und nur sehr ungern. Hohe Herrschaften und gekrönte Häupter ließen sich immerhin mit Kölnisch Wasser abreiben, Casanova berichtet in seinen Memoiren gelegentlich und in einem Nebensatz, daß er sich nach einer Liebesnacht "erfrischt" bzw. gewaschen habe. Immerhin! Unsere Userin Franziska Stelten verweist uns auf eine Passage zu Beginn der (hundertfach) verlegten Memoiren, als der zehnjährige Giacomo in die Obhut des jungen Priesters Dr. Gozzi gegeben worden war. Dieser hatte eine dreizehnjährige Schwester, frühreif und überspannt, wie man heute sagen würde. Doch lassen wir Casanova zu Wort kommen:
"Sie kämmte mich täglich und oft schon, ehe ich aufgestanden war, indem sie sagte, daß sie nicht warten könne, bis ich mich angekleidet hätte. Sie wusch mir das Gesicht, den Hals, die Brust unter kindlichen Liebkosungen, die ich für unschuldig hielt... Der Doktor war ausgegangen, seine Messe zu lesen. Indem Bettina mir die Strümpfe anprobieren wollte, sagte sie, meine Beine wären unsauber, und ohne mich um Erlaubnis zu bitten begann sie, sie mir zu waschen.. Ich scheute mich, Scham zu zeigen, da sie selbst keine zu empfinden schien, und ließ sie daher gewähren, ohne zu ahnen, welche Folgen dies notwendigerweise zeitigen mußte. Bettina, auf meinem Bett sitzend, trieb den Eifer der Reinlichkeit zu weit, und ihre Neugier im Verein mit ihren flinken Fingern fachte in mir eine Glut an, die mich der Besinnung beraubte..."
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