Nasreddin Hodja (Hodscha gesprochen) ist der Name eines beliebten türkischen Volkshelden. Er lebte im 13. Jahrhundert und übte gleich mehrere Berufe aus. So war er Vorbeter, Richter, Händler und Lehrer gleichzeitig. Besonders auffällig an ihm war sein Humor. Bis heute haben sich viele Anekdoten, die sich um seine Person ranken, erhalten. Die Folgende ist in der türkischen Hodja-Literatur vielfach aufgezeichnet. Sie spielt in einem türkischen Bad, welches nicht allein der Säuberung, sondern auch der Unterhaltung diente. Übersetzt hat die kleine Geschichte für uns unsere Userin Ebru Öger.
Einige Jungen kamen auf die Idee, Hodja an der Nase herumzuführen und luden ihn ein, mit ihnen das türkische Bad zu besuchen. Hodja nahm dankend an, und als sich die kleine Gesellschaft nach der Säuberung und dem Genuss von Speis und Trank im Schwitzraum befand, kam unter den Jungen die verabredete Frage auf, wer denn wohl die Kosten dieses Vergnügens tragen sollte. "Natürlich derjenige, der kein Ei legen kann", antwortete einer von ihnen, worauf alle Jungen gackerten wie die Hühner. Außer Hodja hielt danach jeder von ihnen ein Ei in der Hand. Ohne zu zögern stand Hodja auf, schwenkte die Arme und krähte laut: "Kikeriki!" Die Jungen waren verblüfft und fragten: "Was soll denn das?" Hodja antwortete nur: "Freunde, so viele Hühner brauchen doch einen Hahn, oder?" | |