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Das Bad in der Literatur

Das blaue Bidet

Joseph Breitenbach (1903-1980) gehört wohl zu den weniger bekannten deutschen Schriftstellern. Dennoch vergeben seit 1998 die Stiftung Joseph Breitenbach und die Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz den Joseph-Breitenbach-Preis. Breitenbach, dessen Eltern aus Lothringen und Tirol stammten, sah sich stets als Vermittler der Kulturen. Auch als seine Bücher 1933 von den Nazis verboten wurden, setzte er sich für junge, teils gefährdete Schriftsteller beider Länder ein. "Das blaue Bidet" erschien 1978 und war Breitenbachs letzter Roman. Er handelt vom ehemaligen Knopffabrikanten Barbe, der all sein Hab und Gut verkauft hat und nun zum erstenmal einen Urlaub am Mittelmeer verbringen will. Seinen Fahrer findet er in einem jungen Studenten, der als Ich-Erzähler durch den Roman führt. Dieser junge Mann hat immer wieder mit dem scharfzüngigen und belehrenden Charakter des Alten zu kämpfen, der ständig den Verfall der Sitten anprangert, dabei aber selbst gegen einen ausufernden Bordellbesuch nichts einzuwenden hat. Barbe stört insbesondere, daß kaum ein (deutsches) Hotel mit den für ihn unverzichtbaren Bidets ausgestattet ist. Seine Landsleute sind in ihrer Unkenntnis dieses Utensils für ihn allesamt Schmutzfinken. Seine Besessenheit führt sogar so weit, dass er sich später ein eigenes Reisebidet anfertigen lässt. Die folgenden Szenen spielen im Badezimmer eines Luxushotels. Barbe hat dort bereits mit dem im Hotel volontierenden Sohn des Besitzers und dem Studenten Ferdinand mehrere Zimmer samt Bad begutachtet. Er findet aber erst in einer teuren Suite ein Bidet vor. Statt sich aber darüber zu freuen, verprügelt er schließlich den Volöntär fast. Doch lesen Sie selbst! Eingereicht hat die Textpassagen unser User Karl-Heinz Biedermann.

Bidet! Ich hörte das Wort zum ersten Mal, erriet, daß die in den anderen Badezimmern von Barbe vermißte Einrichtung mit diesem Wort bezeichnet wurde, wußte aber nicht, wie sie aussah. Doch als wir in das Bad des ersten Doppelzimmers, das uns geöffnet wurde, traten, erblickte ich dort neben dem WC ein niedriges, ovales, kleines Becken und neben diesem ein Gestell, über dem ein Handtuch hing. Eine Zwergwanne ähnlicher Form hatte ich einmal neben einer großen gleicher Farbe ausgestellt gesehen und angenommen, man wasche sich darin die Füße! Und mich geärgert! Die Reichen, selbst für ein Fußbad haben sie eigene Wannen, hatte ich gedacht. Daheim im Zollhaus, in der Wohnung meiner Eltern, gab es gerade eine Dusche, aber kein Badezimmer. "Nun, was sagen Sie zu unseren Bidets?" fragte der junge Mann, "raffinierter ausgedachte und vor allem breitere werden Sie kaum in anderen Häusern finden." "Auf meine Korpulenz anzuspielen, und schon zum zweiten Mal ist kein Beweis von Klugheit", versetzte Barbe, "was ist denn raffiniert an dem Ding?" Der junge Mann drehte einen der drei Wasserhähne des Bidets auf und ließ uns den Strahl bewundern, der aus der Mitte der kleinen Wanne aufstieg. ...

... ein seltsamer Haß sei das, entgegnete der Volontär, irgend etwas anderes stecke wohl dahinter, bei diesen Männern, die Angst, gewisser Neigungen verdächtigt zu werden. Doch es gebe auch andere Herren, die nicht nur das Vorhandensein des Bidets nicht bemäkelten, sondern sogar gleich in Panik gerieten, wenn sie bei der Einweisung in ihr Zimmer sähen, daß es im Bad fehle. "Die Mehrzahl dieser Herren sind deswegen aber nicht weniger scheinheilig als jene, denen das Bidet ein Ärgernis ist", schloß er und richtete dabei seine Blicke ironisch auf mich. Barbe wandte sich zu mir: "Die Giftschlange dort glaubt, ich wolle mich von Ihnen lieben lassen, verkehrt herum, verstehen Sie, und nur deswegen sei ich so erpicht auf ein Bidet." Gleich darauf packte er mit einem überraschenden Griff den Volontär an der Krawatte und mit der anderen Hand im Genick und schüttelte ihn...
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