Wie hat man sich bei Hofe gewaschen? Wie sahen die ersten Bidets aus? Was befand sich in einem kaiserlichen Ankleidezimmer? Seit wann gibt es Badewannen? Was war eine „Zimmerretirade“? Was hat Josef Hoffmann mit Sanitärmöbeln zu tun?
Anhand von rund 90 künstlerisch teilweise sehr elaboriert ausgeführten Möbelstücken sowie zahlreichen Hygieneporzellanen, Toilettegarnituren und Badewannen wird diesen und anderen Fragen noch bis 22. Januar 2012 im Wiener Hofmobiliendepot auf den Grund gegangen.
Badekultur und Körperhygiene gehen zurück bis in die Antike. Es gibt kaum einen Bereich im Leben, der wirklich alle Menschen gleichermaßen betrifft und – buchstäblich – täglich beschäftigt, unabhängig von Stand und Geschlecht.
Vom mobilen Einzelstück zum installierten Badezimmer – Hygienemöbel als Zeugen der Kulturgeschichte
Die Ausstellung „Intime Zeugen“ im Hofmobiliendepot widmet sich der Körperreinigung bei Hofe. Denn zahlreiche Einrichtungsgegenstände zum Waschen und Baden sind aus dem kaiserlichen Haushalt bis heute erhalten geblieben. Der Schwerpunkt der Schau liegt in der Entwicklung der Hygienemöbel vom späten 18. bis ins frühe 20. Jahrhundert und beschreibt den schrittweisen Wandel vom mobilen Stück zum fix installierten Badezimmer.
Bis weit ins 19. Jahrhundert war die Körperreinigung nur mit Hilfe von tragbaren Gerätschaften möglich. Jedem Appartement in Schönbrunn etwa war eine „Kammer“ zugeeignet, deren Personal sich nebst Kleider-, Bart- und Haarpflege auch um den An- und Abtransport des Wassers sowie die Entsorgung der Fäkalien zu kümmern hatte. Wasser musste oft einen weiten Weg bis zum Waschbecken zurücklegen, die Bequemlichkeit hielt sich also in Grenzen. Der verschwenderische Umgang mit Wasser, den wir heute gewohnt sind, war damals undenkbar.
Erst mit der Errichtung von kommunalen Wasserleitungen und einem Kanalsystem Ende des 19. Jahrhunderts kam Wasser aus der Wasserleitung im Haus, wenn auch zunächst nur in den Wohnungen wohlhabender Kreise. Nun waren fix installierte Badezimmer möglich und Sanitärkeramik, Armaturen und diverse Badezimmerutensilien wurden ein Thema für die Industrie und damit Massenware. Aber erst in den 1950er Jahren gehörten Badezimmer auch in Wiener Gemeindewohnungen zum Standard.
Inhalt der Ausstellung
Möbel erzählen Geschichte – das Markenzeichen des Hofmobiliendepots wird auch bei dieser Ausstellung deutlich. Beginnend bei den Thermenanlagen der Antike und den Badestuben des Mittelalters führt die Ausstellung zu dem um 1500 neuen Möbelstück der Waschkästen, zu Toilette- und Waschtischen sowie den dazu gehörenden Spiegeln. Das Ankleidezimmer der Erzherzogin Maria Anna von Österreich, Gattin von Erzherzog Ferdinand, dem späteren Kaiser Ferdinand I., von 1831 ist neben einem Jugendstil-Schlafzimmer mit Waschtisch von 1899 eines der Highlights der Ausstellung.
Die einzelnen Möbeltypen sind in Gruppen angeordnet und ermöglichen damit einen anschaulichen Überblick über die historische Entwicklung. So finden sich Tisch- und Standspiegel aus Empire, Biedermeier und Historismus, Toilettetische aus josefinischer Zeit ebenso wie solche von Josef Hoffmann aus dem Sanatorium Purkersdorf, Zimmerklos aus Nussbaumholz, Spucknäpfe, kunstvoll gestaltete Waschgarnituren aus der Silberkammer, Bidets aus Messing oder Ahorn und vieles mehr.
Eines der besonders „kuriosen“ Stücke ist wohl das „Bourdalou“, ein Damentopf, der speziell für die überlangen, aber sehr beliebten Predigten des Jesuitenpaters Louis Bourdaloue am Hofe von König Ludwig XIV. entwickelt wurde. Jedoch auch weniger amüsante Gerätschaften erzählen viel über ihre Nutzerinnen und Nutzer. So verwendete Kaiserin Elisabeth für ihre bekannt aufwändige Schönheitspflege entsprechend mehr und schönere Möbel als Kaiser Franz Joseph, dessen Waschrequisiten eher spartanisch waren. Beide Waschgarnituren sind in der Ausstellung zu sehen.
Mehr Informationen unter www.hofmobiliendepot.at
Fotos:
© Bundesmobilienverwaltung, Edgar Knaack