Der Maler, der diese drei Grazien auf Reispapier gemalt hat, dürft eher in einer handwerklichen Malwerkstatt, als in einem Maleratelier anzutreffen sein. In der Tat sind die Motive in chinesischen Souvenirshops als handgemalte Reproduktionen nach alten Motiven erhältlich. Dennoch gehören sie zu den geschmackvolleren Mitbringseln und könnten ein dekorativer Wandschmuck etwa im Gang zum Badezimmer sein. Der Hinweis sei im Übrigen erlaubt, dass der alte Meister, der das Urmotiv gemalt hat, ein Seelenverwandter von Rubens ist. Gleichwertige üppige Formen sind nicht zu übersehen.
Nicht nur in Japan, auch in China gibt es eine über zweitausendjährige Badekultur.
Schon etwa 100 v. Chr. sollte sich ein Edler fünfmal am Tag die Hände waschen und jeden fünften Tag ein heißes Bad nehmen, von der an jedem dritten Tag fälligen Haarwäsche ganz zu schweigen. Man trug eben über Jahrtausende die Haare in China lang. Und wie man auf den auf Reispapier gemalten Bildern sieht, sind auch die badenden Konkubinen mit ihren Haaren beschäftigt. Beamte hatten schon damals (wie heute) Privilegien: Sie konnten sich alle fünf bis zehn Tage einen Tag frei nehmen „zur Erholung und zum Haare waschen“. Das könnte den Mitgliedern des Deutschen Beamtenbundes auch heutzutage gefallen.
Ab dem 2. Jahrhundert n. Chr. richteten die buddhistischen Klöster Badestuben ein, in denen auch der Normalbürger baden konnte – aber alles streng getrennt nach Geschlecht. Ab dem 11. Jahrhundert wurden kommerzielle Badehäuser errichtet.
Diese „xiang shui hang“, übersetzt etwa mit „Häuser des duftenden Wassers“, konnten also nur gegen eine Gebühr genutzt werden. Das war in den Badestuben des deutschen Mittelalters nicht anders, wobei in diesen (wie man weiß) recht lockere Sitten herrschten.
Die drei Grazien auf unseren Abbildungen dürften Konkubinen gewesen sein. Der
chinesische Mandarin hatte jedenfalls mehrere Frauen – ob die alle einen prallen Po haben mussten, wie man aus den Abbildungen folgern könnte, mag dahin gestellt sein. Dass auf den Bildern eine Katze zu sehen ist, ist keine Anspielung darauf, dass die Konkubinen etwa eine Katzenwäsche vornehmen. Ein chinesisches Sprichwort besagt, dass der, der mit Katzen zurechtkommt, auch mit Frauen gut auskommt.
Die Frage mag natürlich jetzt gestellt werden, womit sich die Damen damals wohl gewaschen haben. Seife am Stück gab es damals nicht und schon gar keine
Flüssigseife. Man wusch sich mit Kugeln, die aus einer Mixtur aus Lehm, Kreide und den Fruchtkörnern des Seifenschoten-Baumes bestanden.
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