Michael Burk schrieb den Roman „Keine Stunde ist zuviel“. Das Buch ist erschienen im Karl-Müller-Verlag. Wir zitieren daraus eine Passage, in der die Tochter des Chefarztes einen jungen Assistenzarzt verführt. Und das ausgerechnet in einer Dusche mit Kettenzug:
Die Platte war zu Ende. „Gleich elf“, sagte er, „ich muß leider gehen.“
„Noch einen Calvados.“
„Den letzten.“ Er nahm das Glas aus ihrer Hand entgegen. Ihre Augen baten und sie sagte: „Ich habe eine Bitte.“
„Wenn sie mir nicht zuviel Zeit nimmt.“
„Gleich geschehen. Meine Dusche tut’s nicht. Das heißt, sie tut’s nur, wenn ein zweiter ... kommen Sie, ich zeige es Ihnen.“ Sie ging voran ins Badezimmer.
„Sehen Sie, so!“ veranschaulichte sie ihm den Defekt, „ein zweiter muß dort die Kette bedienen. Gefühlvoll. Dann funktioniert das Ding.“
„Eine phantastische Konstruktion!“
„Nur mühsam. Würden Sie also bitte die Kette übernehmen?“
„Jetzt? Wollen Sie etwa jetzt duschen?“
„Irgendwann muss ich ja. Und wenn ich allein bin und dann zuerst die Kette ziehe und festmache, ich meine, bevor ich mich unter die Dusche stelle, dann gibt’s entweder eine Sintflut oder nur ein Getröpfel. Würden Sie also bitte die Kette ...?“
„Aber Sie wollen doch nicht wirklich jetzt duschen?“
„Es dauert nicht lange. Sie kommen noch rechtzeitig ins Bett. Hier, nehmen Sie!“ Sie drückte ihm das Ende der Kette in die Hand und verschwand.
Er war sprachlos. Er hielt die Kette. Ehe er zum Nachdenken kam, war Christine schon wieder da. Nackt, mit einem vorgehaltenen zyklamfarbenen Badetuch, das ihre Blößen nur notdürftig verdeckte. (...)
„Jetzt die Kette!“ rief sie ihm zu. „Vorsichtig ziehen! Wenn Sie herschauen, merken Sie selber, wann es genug ist. He, Monty! Fürchten Sie sich etwa vor der Anatomie?“
Er sah zu ihr hin und betrachtete sie unbefangen. Sie war von ebenmäßiger Schönheit. Ihr langes, blondes Haar fiel bis über die Schultern. Ihre Haut, braungebrannt von der Sonne, schimmerte selbst im fahlen Licht der Neonröhre. Ihre Brüste, voll und straff, mit einem breiten Hof um die Spitzen, vollendet modellierten Hügeln gleich, fügten sich wie Taille, Hüften und Schenkel zu einer sanft geschwungenen Figur.
Sie band sich mit einem Handtuch das Haar hoch. „Jetzt!“ Er zog an der Kette. Das Wasser prallte auf sie nieder, auf ihr Gesicht, das sie dem Strahl entgegenhob, auf die Schultern, auf denen kleine Kristalle zu tanzen schienen.
„Trocknen Sie mich auch ab?“ Es hatte der versteckten Ermunterung nicht mehr bedurft. An Christine troff noch das Wasser herunter, da griff er sie schon bei der Hand und zog sie in den Wohnraum und hinter den Paravent. Eng verschlungen sanken sie auf die mit einem hellblauen Leintuch überzogene Matratze des eisernen Bettgestells. Als sie voneinander ließen, zeigte der kleine Wecker auf der Kiste neben dem Bett weit nach Mitternacht. (...)