Wer kennt sie nicht, die Namen weltberühmter Impressionisten wie Manet und Monet, Degas und Renoir. Dass jedoch auch Frauen zum illustren Kreis der Impressionisten gehört haben, ist in der Öffentlichkeit weitgehend in Vergessenheit geraten. Zu Unrecht, denn Malerinnen wie Berthe Morisot, Eva Gonzalès, Marie Bracquemond und die Amerikanerin Mary Cassatt hatten maßgeblichen Anteil an der impressionistischen Bewegung. Das wiederum dürfte eigentlich kaum verwundern, waren es doch Themen wie Alltagsszenen, Frauenporträts, Mutter-Kind-Beziehungen, Gärten, Interieurs und Stillleben, die von den Impressionisten malerisch umgesetzt wurden.
Ölgemälde 'Das Bad' von Mary Cassatt
Eine besonders schöne Darstellung der Mutter-Kind-Thematik ist das Ölgemälde "Das Bad" von Mary Cassatt. Das Bild aus dem Jahre 1893 zeigt eine auf dem Boden sitzende Frau, die ein kleines Kind auf ihrem Schoß hält und die dessen Füße sorgsam in einer Waschschüssel reinigt. Auch wenn das Gemälde, das sich heute im Art Institute of Chicago befindet, nicht den klassischen impressionistischen Pinselduktus aufweist, so spürt man doch die Unmittelbarkeit dieser intimen Szene, gerade so, als hätte die Malerin die Zeit angehalten, um genau diesen einen Augenblick für immer im Bild festzuhalten.
Selbstporträt von Mary Cassatt (1878)
Mary Cassatt entstammte einer reichen amerikanischen Bankiersfamilie und wollte schon als junges Mädchen Malerin werden. Im Jahre 1874 ging sie als 30-Jährige nach Frankreich und schloss sich in Paris den Impressionisten um Edgar Degas als dessen Schülerin an. Dort wurde sie respektiert und erfuhr große Aufmerksamkeit als Malerin von Porträts und Szenen aus dem bürgerlichen Leben gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Neben großformatigen Ölgemälden fertigte die Künstlerin - inspiriert von japanischen Holzschnitten - auch Pastelle und graphische Arbeiten an, und auch nach ihrer Erblindung im Jahre 1914 sorgte sie weiterhin unermüdlich dafür, dass der Impressionismus in Amerika populär wurde.