Wenig Tote, dafür aber viel Spannung hat die niederländische Autorin Simone van der Vlugt zu bieten – so auch in ihrem
Psychothriller "Schatten Schwester". Das Buch ist im Diana-Verlag erschienen. In unserer Textpassage geht es um mysteriöse
Schatten, die auch in den Dampfwolken des Duschbads sichtbar werden. Handelt es sich um die Schatten der ermordeten
Schwester? Das verraten wir natürlich nicht.
Hier unser Buchausschnitt:
Als ich wieder aufwache, ist es draußen noch dunkel. Erst wunderte ich mich, weil im Schlafzimmer und im Flur die Lichter
brennen, aber dann erinnere ich mich an den nächtlichen Vorfall. Das ganze kommt mir jetzt reichlich unwahrscheinlich vor.
Ich sehe auf den Wecker: 05:33 Uhr. Ich gehe ins Bad und stelle die Dusche an. Der warme Strahl tut gut. Ich mache die
Augen zu und hebe das Gesicht, damit das Wasser die Nacht von mir abspült.
Langsam füllt sich das Badezimmer mit Dampf. Er legt sich auf den Spiegel und die Wände der Duschkabine. Hätte ich nur die
Tür aufgelassen, dann wäre die Atmosphäre nicht so drückend. Ich mache die Tür der Duschkabine auf. In diesem Moment sehe
ich etwas in der Dampfwolke. Einen dunklen Umriss, ganz nah am Waschbecken. Ich erschrecke so sehr, dass ich ausrutsche.
Ich kann mich gerade noch am Türknauf festhalten. Ängstlich starre ich in den Raum. Der dunkle Umriss ist weg. Aber er war
da, keine Frage.
Unsicher trete ich auf den dicken Frotteevorleger, dann mache ich die Badezimmertür sperrangelweit auf, damit Luft
hereinkommt und den Dampf vertreibt.
Ich trockne mich rasch ab, gehe ins Schlafzimmer und schlüpfe in Jeans und einen weißen Pulli.
Auf der Treppe meine ich etwas hinter mir zu hören. Ich gucke über die Schulter, aber da ist nichts. Als ich mich in der
Küche nach dem Toaster bücke, spüre ich, wie mir etwas über den Rücken streicht. Jetzt weiß ich ganz sicher, dass ich nicht allein im Haus bin.