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Das Bad in der Literatur

Gräfliche Geliebte erschoß sich im Badezimmer -
aus den Tagebüchern des Frank Wedekind

Frank Wedekind galt als Skandalautor um die Zeit von 1890 bis 1910. Seine Drama „Lulu“ errang Weltruhm. Einige Jahre lebte er in Paris und war Dauerkunde bekannter Kokotten, Oft besuchte er den Salon der „alten Herwegh“ und trug mit sanfter Ironie allen Klatsch und Tratsch von „tout Paris“ in sein Tagebuch. Am 18. Januar 1894 brachte er zu Papier:

Eben hat ihr Mme. Ménard 300 frs für ihren Sohn geschickt mit einem reizenden Billett an sie (gemeint ist „die alte Herwegh“, die Red.). Vor Stolz legt sie beide Ellenbogen auf den Tisch und sieht mich herausfordernd an. Darauf liest sie mir einen Brief an Mme. Schweitzer vor, worin sie ihr wörtlich schreibt, wenn die Musen und Grazien dem Doktor Felix Vogt jemals nahe getreten wären, so sei es höchstens geschehen, um ihm ins Maul zu scheißen. Dann erzählt sie mir per Zufall wieder die Geschichte, wie sich Marcel erschossen und sich die Kugel innen im Rockfutter gefunden hat. Marcel hat den alten le la Nux im Konzert gesprochen. Der Alte hat ihm erzählt, er habe seine Tochter Jeanne verflucht, weil sie gegen seinen Willen einen Arzt geheiratet. Der Arzt habe sie mit Stockprügeln traktiert. Jetzt liege sie im Spital, ohne einen Sou, und sei dans la misére noire. Die Herwegh, die die Jeanne immer sehr gern gehabt, hat einen Brief, von dem Marcel nichts wissen darf, an den alten de la Nux geschrieben, worin sie ihn bittet, ihm die Adresse seiner Tochter mitzuteilen. Sie möchte sie besuchen, um ihr womöglich Trost zu spenden. Dann erzählt sie mir, daß Jeanne mit einem Arzt zusammen bei ihr, der alten Herwegh, Sprachstunden genommen und etwa drei Jahre später plötzlich einen etwa dreijährigen Jungen adoptiert hätte, der damals schon ihr und dem Arzt so auffallend ähnlich gesehen habe. Sie habe eine unabweisbare Ahnung, als sei der Arzt, um dessentwillen ihr Vater sie jetzt verflucht, der nämliche von damals. Die Dame, bei der sich Marcel erschossen hat, war übrigens nicht die Tochter des alten de la Nux, sondern nur eine Bekannte, so wie auch die Phegine, die später die Maitresse des Grafen Morny wurde, und, als sie der Graf abschütteln wollte, ihn eines Abends noch einmal in seiner Badestube besuchte. Graf Morny saß im Bad, die Phegine stand hinter ihm, dem Spiegel gegenüber. Sie sagte Bonsoir und jagte sich eine Kugel ins Herz.
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