Bevor Carl Zuckmayer mit seinen Theaterstücken ("Der Hauptmann von Köpenick")
berühmt und wohlhabend wurde, durchlebte er mit seiner damaligen Herzensdame "Mirl" fürchterliche Hungerjahre.
Über die Wohnung, die er 1922 in Berlin fand, schrieb er in seiner Autobiographie "Als wär's ein Stück von mir":
Im Haus Nr. 4 fanden wir eine erstaunlich billige Wohnung, denn sie lag im Keller unter der Portiersloge. Sie bestand
aus einem großen Zimmer, dessen vergitterte Fenster nur zur Hälfte über den Vorgarten aufragten, so daß es stets im Dämmer lag.
Mirl besaß ein paar schöne Biedermeiermöbel, mit denen wir es ganz behaglich einrichteten, einen Teppich liehen wir uns aus.
Ich hatte eine fensterlose Kammer mit nackter Deckenbeleuchtung neben dem Kohlenschuppen. Im Heizkeller, der genug Wärme
ausstrahlte, um die Zimmer, falls man die Türen offen ließ, einigermaßen zu temperieren, stand eine alte Blechwanne, in die
man heißes und kaltes Wasser schütten konnte; man mußte es nach Gebrauch in einen Ausguß kippen und die Wanne ausschrubben.
Daneben lag ein Klosett, das auch von der Portiersfamilie benutzt wurde...