Herbert Rosendorfer schrieb den aufregenden, mystischen Roman
"Stephanie". Die Heilgymnastin Stephanie wird auf einmal von Träumen heimgesucht, in denen sie sich als
spanische Herzogin fühlt, die im 18. Jahrhundert wegen Gattenmordes in Granada hingerichtet wird. Stephanie
beschreibt für ihren Bruder detailgenau, was ihr als Herzogin widerfahren ist. Wir zitieren daraus:
Don Fernando ist dick wie ein Faß. Ich habe noch niemanden in meinem leben getroffen, der so stinkt wie
er. Daß sich kaum jemand einmal wäscht, ist ja bekannt. Wir haben schon in der Schule gelernt, daß, ich
glaube, im ganzen Schloß von Versailles keine einzige Badewanne ist. Das kennt man überhaupt nicht. Wenn
ich mich waschen will, bringt Josefa einen Holzzuber mit heißem Wasser, das steige ich hinein, und Josefa
wäscht mich mit einem Schwamm ab. ( Ein Vorgang, der den Kaplan Don Gonzalo aufs äußerste interessiert. Er
hat Josefa ganz vertraulich schon ein paar Mal danach gefragt und hat ihn sich genau schildern lassen. Ein
paar Mal hat er versucht - man könne ja einen kleinen Wandschirm aufstellen, hat er gemeint - , mich
während des Waschens zu sprechen, um mir irgendwelche ungeheuer wichtigen Dinge mitzuteilen. Ich habe es
natürlich nicht erlaubt.) Josefa ist übrigens äußerst besorgt, weil ich mich so oft waschen lasse. Es schade der Haut.
Don Fernando scheint dem Waschen überhaupt zu entraten. (Vielleicht stoße ich ihn vor den Kopf und lasse
ihm als äußerst höfliche Geste einen Zuber heißen Wassers in sein Zimmer stellen.) Er riecht - na ja, Du
kannst Dir denken, wonach er alles riecht, noch dazu, wo er so dick ist. Manchmal kommt mir vor, er ist ranzig.
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