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Das Bad in der Literatur

Badezimmer als Appartement und dann auch noch die Schwiegermutter

Der 1958 verstorbene Michail Sostschenko ist in Rußland noch heute populär, weil er es wie kein zweiter verstand, das Leben im kommunistischen Rußland mit satter Ironie zu schildern. In der UdSSR waren die Wohnverhältnisse generell sehr beengt, ganze Familien mit Groß- oder Schwiegereltern mußten sich eine Kleinwohnung teilen. In seiner Erzählung "Ein hochherrschaftliches Appartement" schildert Sostschenko seine Einquartierung in einer ehemals feudalen Wohnung, in dem man ihm das Badezimmer als "Appartement" zuwies.

Es war tatsächlich hochherrschaftlich. Alles Marmor - die Wanne, die Säulen, die Dekorationen. Aber nichts, worauf man sitzen konnte. Man konnte allerdings auf dem Rand der Badewanne sitzen, aber wie leicht rutscht man dabei aus und fällt hinein. Ich legte zwei Bretter darüber und machte sie fest. Es kostete nur 30 Rubel. Einen Monat später hielt ich, nebenbei bemerkt, Hochzeit. Ich hatte so eine brave junge Frau gefunden. Ich hatte gefürchtet, sie würde mich abweisen wegen des Badezimmers. Aber sie runzelte nur ein bißchen die Stirn und sagte: "Gute Menschen können überall leben, sogar in einem Badezimmer"....

...Eines Tages nun kommt die Mutter meine Frau aus der Provinz - ins Badezimmer. Sie läßt sich hinter einer Säule häuslich nieder. "Ich habe mich so danach gesehnt, mein Enkelkind zu wiegen!", sagte sie.

"Ich denke nicht daran, dich dieses Genusses zu berauben", erwiderte ich. "Nur zu Schwiegermutter, wiege ihn nur. Dann kannst Du die Wanne füllen und dich mit deinem Enkelkind hineinlegen."

Und zu meiner Frau sprach ich: "Erwartest Du noch mehr Verwandte, Genossin?"

"Meinen Bruder", sagte sie, "aber vielleicht nur über Weihnachten"...
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