 Der Klassizismus in der Malerei, der mit der Historienmalerei des 20. Jahrhunderts sozusagen Hand in Hand ging, war lange Zeit verpönt und den damals "wilden" Malern des Impressionismus ein Gräuel. Mittlerweile hat sich die Sicht verändert, auch die Maler des Klassizismus werden in den Museen wieder gezeigt. Zu ihnen gehört der Belgier Alfred Stevens (1823 - 1906), der nicht mit dem gleichnamigen britischen Maler verwechselt werden darf. Unwidersprochen gilt, dass Stevens ein großes handwerkliches Können besaß, dass er u.a. bei Ingres (der auch in in dieser Kolumne bei "traumbad.de" vertreten ist) vervollkommnet hat. Seine opulenten Ölgemälde von Damen aus Adel und Gesellschaft verschafften ihm seinerzeit Ruhm und ein gutes Einkommen. Genauso liebevoll, wie sich die Maler des Barock den samtigen Umhängen und Halskrausen der Porträtierten annahmen, schwelgte Stevens sozusagen in jedem Volant und jedem spitzenbesetzten Ärmel der von ihm porträtierten Frauen. Aktbilder sind von ihm kaum bekannt, er malte die Damen lieber mit fließenden Gewändern bekleidet. Eine Ausnahme macht das Gemälde "Das Bad", sozusagen ein träumerisches Wannenbad, denn die Schöne in der metallenen Wanne träumt vor sich hin, zwei weißen Rosen in der Hand. Und der Betrachter fragt sich natürlich, wer denn wohl den Mann gewesen sein mag, dem die Gedanken der Dame gegolten haben. Möglicherweise der Maler selbst? | |