Stattet Otto Normalverbraucher der Sauna einen Besuch ab, so will er sich erholen, zusätzlich vielleicht noch sein Immunsystem stärken. Das Motto: Schwitzen als Wohltat. Anders halten es einige Zeitgenossen. Für sie hat das Saunieren recht wenig mit Ausruhen zu tun. Im Gegenteil: Für sie ist es ein Kampf - auch gegen den inneren Schweinehund. Jährlich beteiligen sich mehrere Dutzend Sauna-Fans an deutschen und anderen Saunameisterschaften.
Das Ziel: Möglichst lange - und vor allem länger als die Mitschwitzer - in der glühenden Zelle ausharren. Gewonnen hat, wer bei 110 Grad Celsius und halbminütigen Aufgüssen am längsten aushält. Bei der zweiten deutschen Saunameisterschaft in Stralsund hat ein Ehepaar Ende August 2006 den Titel geholt: Deutsche Saunameisterin ist Petra Schneider, sie hielt es sieben Minuten und 29,2 Sekunden aus; deutscher Saunameister ist Ehemann Detlef Schneider mit 13:56,4 Minuten.
Rumfläzen wie es ihnen gerade passt, können sich die Teilnehmer in den speziell für die Meisterschaft gebauten Saunen allerdings nicht. Es gibt ein Regelwerk. So müssen die Sauna-Gänger in aufrechter Position sitzen, die Hände liegen auf den Oberschenkeln. Dabei darf der Blickkontakt zum Kampfrichter nicht unterbrochen, die Sitzposition nicht verändert werden. Und der Schweiß muss rinnen - abwischen ist verboten. Untersagt ist auch das Berühren der anderen Teilnehmer.
Und dann gibt es da noch die Kleiderordnung: Splitterfasernackt - wie sich der "Laie" in der Sauna bisweilen gibt - ist bei den Profis niemand. Das liegt allerdings weniger an der Angst vor anzüglichen Blicken der bis zu 1000 Zuschauer. Nein, die vorgeschriebene Badebekleidung soll Verbrennungen verhindern. Heiß wird es den Besuchern der Meisterschaft sicherlich dennoch. Die Wettkampfsaunen sind von der Tribüne aus gut zu sehen. Außerdem filmt eine Kamera die leidenden Protagonisten. Deren Schweiß tropft dann für alle gut sichtbar auf einer großen Leinwand.
"Man muss schon ein bisschen verrückt sein", gibt die deutsche Meisterin Petra Schneider in einem Interview der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zu. Schließlich tue es auch weh. Schädlich sei es für den Körper nicht - wenn man denn wisse, wann genug sei. "Sonst kann man sich Verbrennungen zuziehen." Außerdem müsse man vor dem Wettkampf vier bis sechs Liter trinken.
Weil dieser "Extremsport" dem Körper zwar angeblich nicht schadet, aber auf jeden Fall belastet, stehen alle Teilnehmer unter ärztlicher Kontrolle. Aus den "Latschen" gekippt sei bislang noch niemand, versichert der Vorsitzende des Stralsunder Saunavereins, der die Meisterschaft austrägt.
Und dennoch: Otto Normalverbraucher geht's wohl besser, wenn er weiterhin seine bis zu drei Gänge in die 85 bis 105 Grad warme Sauna unternimmt. Dabei sollte eine Einheit zwischen acht und zwölf Minuten dauern. Der entscheidende Unterschied zu den Regel der Profis liegt neben der niedrigeren Saunatemperatur vor allem im Aufguss-Verfahren: Normalerweise kommt die mit Wasser gefüllte Kelle nach einer Phase des Vorschwitzens, also nach fünf bis zehn Minuten, zum Einsatz. Nach diesem etwa zweiminütigen "Höhepunkt" folgt eventuell noch die Phase des Nachschwitzens, die nicht länger als zwei Minuten dauern sollte.
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