Zehnder
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Kuriositäten im und für's Badezimmer

270 Leibstühle - also tragbare Klosetts - im Schloß von Versailles

Man spricht heutzutage nur von "Bad" und wünscht sich ein Traumbad. Das wichtigste Requisit, nämlich das WC, gehört "irgendwie" dazu, wird aber auf den schönen Traumbadfotos möglichst gar nicht oder nur im Hintergrund gezeigt. Mit einer WC-Schlüssel kann man kaum gestalterische Lorbeeren erringen, mit einem Whirlpool schon eher. Die Defäkation - med.: Darmentleerung - ist zwar lebensnotwendig, aber naturgegeben anrüchig. Als es noch keine Wasserspülung gab, roch es in einfachen Häusern relativ gut. Die gewöhnlichen Menschen entleerten sich nicht in den eigenen vier Wänden, sondern in einer Bretterbude auf dem Hof.

In den Schlössern stank es jedoch gewaltig, denn keineswegs war das Klosett der Ort, an den dem Sprichwort zufolge der Kaiser zu Fuß hinging. Oh nein, der Leibstuhl oder Nachtstuhl - die etwas vornehmere Bezeichnung für das Eimerklosett - wurde den hohen Herrschaften in das Zimmer getragen. 270 Leibstühle gab es zu Zeiten von Ludwig XIV. im Versailler Schloß und wie diese in etwa ausgesehen haben, können wir nur wiedergeben durch Fotos eines Zimmerklosetts aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts aus der Hygienesammlung des Hofmobiliendepots Möbel Museum Wien (www.hofmobiliendepot.at).
Copyright: Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsgesellschaft m.b.H.
Und auf solch einem brokatverzierten Leibstuhl verbrachte man in Versailles Stunden und empfing sogar Besuche. Als sich der italienische Botschafter beschwerte, dass ihn der große General Vendome auf dem Nachtstuhl sitzend empfing und sich bei seinem Geschäft durchaus nicht stören ließ, erklärte man den Italiener für arrogant und rückständig.

Auch der König ließ sich keineswegs abhalten, Damen auf diesem Stuhl, der sogenannten "chaise percée" zu empfangen. Es galt als Auszeichnung, König Ludwig das sogenannte Bassin zu reichen. Die adeligen Damen taten es dem König nach, jedoch benutzten sie Leibstühle mit einem Windschutz - nicht etwa Sichtschutz! -, denn im Schloß herrschte fast immer Zugluft. Dass man im Schloß von Versailles, in dem bis zu 20.000 Menschen herum wuselten, einfach auf die Flure und hinter die Vorhänge geschissen hat, ist eine Mär. Im Schloß gab es einmal die Leibstühle für Personen von Rang und zum anderen für Besucher viele Zimmer mit Gefäßen aller Art, in denen man sich erleichtern konnte. Die Lakaien hatten dann die Aufgabe, die Zinngefäße draußen auf einem riesengroßen "Mist"haufen zu entleeren. Dass es in diesen Zimmern übel gerochen hat, ist "natürlich" und verständlich. Aber man kannte ja schon das Parfum und konnte sich parfümierte Tüchlein unter die Nase halten.

Liselotte von der Pfalz, die Schwägerin von Ludwig XIV. und wegen ihrer tausendfachen, unverblümten Briefe aus Versailles berühmt geworden, berichtet amüsiert, dass am spanischen Hof die Prinzession des Ursins dem König, wenn er das Schlafgemach der Königin aufsuchte, den Degen und den königlichen Kammerpott nachtragen mußte. Eben diese Liselotte hatte kein rechtes Verhältnis zu Romanen und schrieb in einem Brief, "ich lese immer nur ein Blatt oder zwei, wenn ich, mit Verlöff (mit Verlaub, die Red.) auf dem Kackstuhl sitze."

Immerhin hielt sich Liselotte für damalige Verhältnisse recht reinlich. Sie schreibt ihrer Nichte, der Raugräfin Luise, dass sie frühmorgens Briefe schreibe, sich danach Honigwasser bringen lasse und sich wasche. Danach reibe sie sich die schmerzenden Knie mit "eau vulnéraire" und lasse sich nun von ihren Kammerfrauen kämmen. Danach gingen alle hinaus - außer ihrem Doktor, dem Barbier und dem Apotheker. Sie ziehe dann Strümpfe, Unterhosen und die Schuhe an und wasche sich nun die Hände. Dann kämen wieder die Zofen und Kammerfrauen und gäben ihr das Hemd, anschließend gingen die genannten Herren hinaus und der Schneider erscheine mit der Robe, in die sie eingeschnürt werde. Sei das geschehen, beträten alle Herren wieder das Zimmer und nun mache sich der ganze zwölfköpfige Troß auf den Weg zur 12-Uhr-Messe.

Und Ludwig XIV., hat der sich auch gewaschen? Nun ja, eher ließ er sich mit Kölnisch Wasser abreiben. Aber immerhin - zu Gründonnerstag wusch er wenn nicht seine eigenen, so doch zwölf Armen die Füße, die er, wenn er sie abgetrocknet hatte, auch noch küßte. Ganz nach Vorschrift der katholischen Kirche.
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