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Das Bad in der Literatur

Aloys Blumauer, erster namhafter Parodist, und die "Ode an den Leibstuhl"

Selbst Germanisten werden mit dem Namen von Aloys Blumauer, geb. 1759 in Steyr und gest. 1798 in Wien, wenig anzufangen wissen. Doch war dieser seinerzeit eine Art Bestsellerautor, denn sein Werk "Virgils Aeneis, travestiert" wurde mehrfach verlegt und in mehreren Sprachen gedruckt. Unter Travestie verstand man übrigens damals die Parodie und Blumauer muß man wohl als den ersten namhaften deutschen Parodisten bezeichnen, der sogar Goethes Werther nicht verschonte, weshalb Goethe den Autor nicht leiden mochte. Schiller hingegen zeigte sich über Blumauers "Ode an den Leibstuhl" amüsiert. Dieser parodistische Lobgesang an den Leibstuhl, also den Vorläufer des WC-Beckens, entdeckte für "traumbad.de" unsere Userin Sybille Kook. Wir bringen diese Ode in gekürzter Fassung und danken unserer Userin für ihre Mitarbeit.

Ode an den Leibstuhl

Du kleiner Sitz, von dessen eig'nem Namen
Man mit Respekt nur spricht,
Den täglich doch die ekelste der Damen
Besieht und fühlt und riecht.

Du bist der größte aller Opferherde,
Auf deinem Altar nur
Zollt täglich der galant're Teil der Erde
Sein Opfer der Natur.

Du bist der Götze, der selbst Majestäten
Ihr Hinterhaupt entblößt,
Der Freund, vor dem sogar sich ohn' Erröten
Die Nonne sehen läßt.

Erhaben setzt, wie auf den Sitz der Götter,
Der Weise sich auf dich,
Sieht stolz herab und läßt das Donnerwetter
Laut krachend unter sich.

Du bist das wahre Ebenbild der Thronen
Auf diesem Erdrevier;
Denn immer sitzt von vielen Millionen
Ein Einziger auf dir.

Du beutst als Freund den Menschen hier auf Erden
Gefällig deinen Schoß,
Und machest von den drückendsten Beschwerden
Der Menschlichkeit sie los.

Du bist der Heiltumsstuhl, an dem der Kranke
Nie fruchtlos Opfer zollt,
Weil er dafür gewiß mit regem Danke
Sich die Genesung holt.

D'rum, daß du mich dereinst nicht auch als Richter
Verschlingst mit Haut und Haar,
So bring' ich dir, du Erbfeind aller Dichter,
Das Lied zum Opfer dar.
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