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Bad-Geschichte und Geschichten
Als die Waschgarnitur noch das Bad ersetzte
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| Das Museum des Weltmarktführers in Sachen Keramik, nämlich Villeroy & Boch aus Mettlach an der Saar, gibt einen wunderbaren Einblick in eine Epoche, als fließendes Wasser, die Toilette mit Wasserspülung und die Badewanne mit warmem Wasser (aus dem Gasheizkessel) allmählich in den hochherrschaftlichen Häusern Einzug hielten. Wir sprechen hier von der Zeitspanne von 1880 bis 1910, also den Gründerjahren mit ihrem pathetischen Historismus, der dann vom Jugendstil abgelöst wurde. |
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| Was wir hier links im Foto sehen, ist ein roter Wassertopf für Kaiser Wilhelm I (1871 - 1988), jenem Kaiser, der aufgrund des spöttischen Lieds "Wir wollen unsern alten Kaiser Wilhelm wieder hab'n...mit nem Bart, mit nem Bart, mit nem langen Bart" noch heute in unser Erinnerung geblieben ist. Seine Majestät schütteten aus dem Keramikgefäß Waschwasser in eine Waschschüssel, wobei er zwei Töpfe gehabt haben dürfte - einen für heißes, einen für warmes Wasser. Der blaue Topf wurde für Kaiser Wilhelm II geformt, bemalt und gebrannt, jenen Kaiser, der als "Säbelrassler" in die Geschichte einging und Deutschland in den 1. Weltkrieg führte. |
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Wesentlich gefälliger als die großen Wasser"kumpen" ist die Waschgarnitur des bekannten Jugendstil-Künstlers Henry van de Velde, die von 1900 bis 1905 in Mettlach hergestellt wurden. Wer eine solche Garnitur besitzt, darf sich glücklich preisen, denn sie ist einen vierstelligen Betrag wert. Man wusch sich damals mit einem Schwamm oder Tuch, in die Waschschüssel getaucht. Der Inhalt der Waschschüssel war ob des Seifengebrauchs zwar schnell "griesig", zumal dann, wenn sich der Rasierschaum des Gemahls mit dem Wasser vermischte - aber wozu hatte man Dienstmädchen? Die schütteten die Brühe in große Blechkannen und entleerten sie irgendwo im Hof oder im Rinnstein. |
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Ein ganz besonderes Keramikschüsselchen ist in Mettlach zu bestaunen. Eine Bourdalone, also ein Damen-Nachttopf. Wenn die Dame des Haues nachts mal "klein" mußte, wollte sie deswegen nichts eigens auf den Hof laufen zum "Häuserl". Also lupfte sie das Nachtgewand und pieselte in die oval, also anatomisch richtig geformte Bourdalone. Das Gefäß kam dann in den Nachttisch, um morgens (wiederum) vom Dienstmädchen entsorgt zu werden. Mußte statt "klein" auch "groß" gemacht werden, benutzten die Eheleute den Nachttopf, der jedoch mehr und mehr aus emailliertem Stahlblech statt aus Keramik gefertigt wurde, weil es vorkommen konnte, dass der Nachttopf unter dem "drückenden" Gewicht zusammenbrach. |
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Wer in Kenntnis dieser Gebräuche von der "guten, alten Zeit" spricht, sollte sich aus nostalgischen Gründen mal eine Woche mit Waschgarnitur und Nachttopf behelfen. Mal sehen, wie dann sein Urteil ausfallen wird.
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Betty hat sich mit ihrem Lebensgefährten Max wieder versöhnt, nachdem er ihr hoch und heilig versichert hat, nie mehr im Bad seine Zehennägel zu schneiden und die hornigen Reste auf dem Badteppich zu verteilen. Betty hat sogar akzeptiert, dass er ein Buch mit ins Badezimmer nimmt – ein duftendes Buch der besonderen Art. Wozu braucht Max ein Buch mit duftenden Seiten? … Doch lesen Sie selbst …
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