Daß in jedem Mann ein Kind steckt, ist hinlänglich bekannt. Da spaziert die 20-jährige Laura mit ihrem Jens ("der mit dem knackigen Hintern") händchenhaltend durch den Park. Ein Ball kommt angerollt - und Jens verwandelt sich vom Liebhaber zum kleinen Jungen, der "mit kicken" will. In der Badewanne treibt der Rückfall in die Kindlichkeit fröhliche Urstände. Da wird der Mann zum Kapitän und seine Knie werden zu Inseln in der Südsee. Viele Dichter haben sich dieses Themas angenommen - auch Klaus Wilhelm. Das Gedicht wurde uns von der Redaktion der Website "gedichte.de" übergeben.
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Mann in der Wanne
Ich fühle mich wie neu geboren. Ich singe laut die Lorelei und stelle fest nach Strophe drei: An mir ging ein Tenor verloren
Ein Bürstenschiff geht auf die Reise. Die Brause wird zur Regenböe. Aus kleinen Wellen ragt mein Zeh und zieht als Eisberg wirre Kreise.
Ich tauche nach diversen Seifen, und wenn mein Ehrgeiz jäh sich regt, versuch' ich dabei unentwegt am Wannengrunde laut zu pfeifen.
Dann steh' ich prustend auf und schreibe, dieweil das Wasser rauschend flieht und Dampf den Spiegel überzieht, verspielten Unsinn auf die Scheibe.
Und endlich, durch das Loch der Wanne, flutscht mit dem letzten Seifenschaum - so uneinfangbar wie ein Traum - das oft zitierte Kind im Manne.
Klaus Wilhelm | |