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Das Bad in der Literatur

Die kleine Susanne in der Badewanne

Diesmal geht es nicht um Literatur, sondern um volkstümliche Poesie. Das Gedicht "Susannes Weihnachtsmann" wurde vor ca. 80 Jahren von einer oder einem unbekannten Dichter/in verfaßt. Große Reimkunst ist es sicherlich nicht, aber es ist "gemütvoll" und traf und trifft die weihnachtlich gestimmte Seele aller Erwachsenen, die Kinder - zumal die kleinen - lieben. Aus diesem Grund ist das Gedicht auch so etwas wie ein Klassiker geworden und wird immer wieder in Weihnachtsbüchern nachgedruckt. Im Mittelpunkt des Gedichtes steht eine Badewanne und eine Brause. Eingereicht wurde uns das Gedicht von Henriette Braumeister.

Susannes Weihnachtsmann

Seelenvergnügt in der Badewanne
sitzt unsre kleine blonde Susanne,
plätschert und schlenkert wie im Meer
eine halbe Sintflut um sich her.
Mama wird böse: "Na warte, du Schlingel!"
Sirrr - und draußen geht die Klingel.


"Je!" sagt Muttchen. "Es klingelt doch grade,
immer wenn ich Suschen bade.
Nun sei mal hübsch brav, mein Herzblatt, ja?
Gleich ist die Mutti wieder da.
Und fass´ mir da oben den Griff nicht an,
das ist die Glocke zum Weihnachtsmann!
Die hängt von der Decke in langen Schnüren,
da darf beileibe kein Kind dran rühren."


Die Mutti geht und als Susi allein ist,
wäscht sie sich, bis die Seife ganz klein ist,
zieht das Badelaken vom Tisch herunter
und schleift es durch sämtliche Pfützen munter.
Doch endlich wird ihr die Sache zu dumm.
Sie dreht sich energisch zur Türe herum
und ruft: "Mutti! Muttchen! Du solls jetz tommen!
Susi hat jetz genug geswommen!"


Alles bleibt still, und da oben da hängt
der blitzblanke Griff und Susi denkt:
Wenn man nur so'n ganz klein bißchen dran zieht,
ob der Weihnachtsmann mich durch die Türspalte sieht?
Dann will ich gleich Bescheid ihm sagen
vom dicken Ball und dem Puppenwagen.


Sachte, ganz sachte steht sie auf,
und greift mit den kleinen Patschhändchen rauf...
Und denkt euch, Kinder, welche Qual:
Es rieselt herab ein Wasserstrahl!
Huh! Und soviel! Huh! Und so kalt!
Susi brüllt, daß es häuserweit schallt.


Nach diesem Schrei kommt Mama geflogen.
O weh! Da hat doch Susi die Brause gezogen!
Sitzt in der Wanne, zu Tode erschrocken,
Wasser in den Ohren, im Näschen, in den Locken.
Und sie schluchzt, während sie in Tränen zerfließt:
"Der Weihnachtsmann hat mis mit Wasser bedießt! (begoßen)
Und ich hab doch nur so'n danz tlein bischen deßelt (geschellt)
und nur so'n danz tlein bischen bei ihm bestellt".
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