INNSIDE heißen die Hotels, die die spanische Gruppe „Sol Melia“ auch in Frankfurt betreibt. Alles ganz modern und stylisch und richtig schön komfortabel. Und in solch ein Hotel hat mich Max mitgenommen, als er in Frankfurt an einer Tagung von Werbe-Fuzzys teilnehmen musste. Ich war begeistert.
Das Residence-Doppelzimmer richtig groß, das Bett neu und die Matratzen nicht durchgelegen, die Beleuchtung zum Dimmen – alles cool und heavy. Nur das Bad! Ein Glaskasten mit Einblick und Durchblick, direkt neben den Betten eingebaut. Links die Dusche, rechts daneben, durch eine Glasscheibe abgeteilt, das Waschbecken. Und dahinter, diesmal nicht einsehbar, die Toilette.
Max und ich waren abends mit ein paar anderen aus der Frankfurter Werbeszene im Tigerpalast Varieté. Danach mit dem Taxi in die Roomers Bar im „Gutleutviertel“. Und dann mit schwerem Kopf und dem Taxi zurück ins Hotel.
Ich steige in die Dusche – und Max setzt sich aufs Bett und gafft mich an. Er gafft mich an! Er will zusehen, wie ich dusche! Anstatt sich auf das WC zu verziehen, wo er doch so gerne stundenlang auf der Lokusbrille liest, hockt er da und gafft mich an.
Ich raus aus der Dusche und die Reception angerufen. „Können Sie mir bitte einen kräftigen Doorman aufs Zimmer schicken?“
Der Mann an der Rezeption: „Leider vermitteln wir keine Herrenbesuche!“
Und ich: “Was denken Sie von mir – der Mann soll meinen Partner aus dem Zimmer entfernen!“
„Ja ist denn was passiert?“
„Mein Partner sitzt auf dem Bett und will zuschauen, wie ich dusche!“
„Hö, hö, ja also ehm, Sie haben ja ein Doppelzimmer gebucht und da können wir doch nicht einen von ihnen beiden einfach raussetzen!“
Ich, nun aber auf Neunzig, schreie ins Telefon: „Haben Sie noch ein Einzelzimmer frei?“
Und da greift Max ein. Er steht schwankend von der Bettkante auf, windet mir den Hörer aus der Hand und brabbelt: „Ich geh’ ja schon aufen Klo!“
Anstatt „aufen“ Klo zu gehen, ist er aber aufs Bett gefallen und sofort eingeschlafen. Ja ja, die vielen Cognacs in der Bar! Ich hab’ ihn liegen gelassen. In Anzug, Schlips und Hemd. Und dann habe ich mich ausgiebig geduscht und dem Max eine Überraschung bereitet.
Als er nächsten Morgen aufgewacht ist, waren sein Hemd, seine edle Seidenkrawatte und der Sakko satt durchgefeuchtet.
Er hat herum geblinzelt und mich reuevoll gefragt: „War ich so besoffen, das ich im Anzug geduscht habe?“
Von mir wird er die Wahrheit nicht erfahren, das garantiert Ihnen
Ihre Betty Lukasch