Die Wasserhähne an den beiden Waschtischen gefielen uns nicht mehr. Mein derzeitiger Lebensgefährte Max schlug vor, sie gegen eine moderne Mischbatterie auszutauschen. Wir informierten uns hier im Online-Traumbad und suchten dann eine Badausstellung auf. Wo man hinschaute: ein Waschtisch nach dem anderen und bei jedem eine sogenannte „Garnitur“ aufmontiert.
Wir entschieden uns für eine Schwanenhals-Garnitur mit Zweihebelmischer, entworfen von einem bekannten italienischen Designer. Den Namen brauchen Sie sich nicht zu merken, denn ich werde den Kerl demnächst in Mailand besuchen und erschießen. Mein Max hat die alte Garnitur aus- und mit viel Gestöhne die neue eingebaut. Sagen wir mal: fast eingebaut. Zum Schluss musste doch ein Installateur ran. Für 43,80 plus Anfahrtspauschale war das Designobjekt dann einsatzfähig.
Mit einer gewissen Ergriffenheit und Ehrfurcht vor dem Namen des Designers haben wir dann „Wasser marsch!“ gerufen und die beiden Hebel bedient. Und das Wasser floss schön und gleichmäßig aus dem Schwanenhals. Leider traf es dabei auf den Waschtisch als solchen. Verschreckt von dem Aufprall des Wassers, spritzte der Waschtisch zurück. Auf mein Kleid und auf Maxens Hose.
Mein Max, der bekanntlich Geisteswissenschaftler ist, aber angeblich in Physik eine „2“ gehabt haben will, bestaunte den Vorgang und gab dann einen Kommentar ab, der sich in etwa so angehört hat:
„Also, das Wasser als solches läuft mit Druck aus der Leitung nach unten. Sobald es auf das Keramikbecken trifft, gibt es zwangsläufig einen Aufprall, man könnte auch sagen einen Rückstoß. Je nachdem, wie das Becken geformt ist, kann der Aufprallwinkel so ungünstig sein, dass das Wasser hoch spritzt. Dreht man voll auf, spritzt es in diesem Fall kräftig zurück – wie man sieht auf unsere Kleidung!“
Vorerst hat Max Pappschilder über den Schwanenhälsen angebracht: „Bitte nicht voll aufdrehen, sonst werden Sie nass gespritzt!“ Er will damit Ärger mit möglichen Fremdnutzern unseres Bades vorbeugen.
Die Designwirkung ist natürlich dahin. Die Pappschilder stören. Max überlegt, wie er das Problem aus der Welt schaffen kann.
Soll er überlegen! Ich werde, wie schon angekündigt, nach Mailand fliegen, den Designer erschießen und mir nach all der Aufregung ein Paar neue Schuhe gönnen. Natürlich direkt vom Designer, das versichert Ihnen
Ihre Betty Lukasch